New York City 2016

    Montag, 11.01.2016

    Am frühen Morgen ging es mal wieder los in Richtung Big Apple. Der ICE fuhr pünktlich um 04.22 Uhr am Kölner Hauptbahnhof ab und kam 65 Minuten später in Frankfurt an. Mittlerweile ist der Marsch zum Schalter von Singapore Airlines ein Stück weit zur Routine geworden. Vor mir am Schalter stand lediglich eine Person, so daß auch das schnell erledigt war. Was soll ich sagen? Zwei Stunden später hob der A380 ab, “Bridge of Spies” und “Everest” ließen den Flug recht kurzweilig werden. Nach der Landung probierte ich das erste Mal die Immigration-Automaten aus. Hat hervorragend geklappt. Trotzdem knubbelte sich dann alles bei der abschließenden persönlichen Kontrolle. Aber auch das war irgendwann geschafft. Als ich ans Gepäckband kam, mußte ich nur kurze Zeit auf meinen Koffer warten und schon war ich offiziell eingereist.

    Der AirTrain brachte mich zum Subway-Anschluß, der E train bis Jackson Heights, von wo aus es dann mit dem 7 train bis zur 40th Street in Queens ging. Nach dem Einchecken wurde der Koffer ausgepackt und schon war ich wieder unterwegs nach Manhattan, um meine “Einführungsrunde” zu drehen. Los ging’s – wie immer – im Grand Central Terminal. Über die 42nd Street ging es vorbei am Bryant Park zum Times Square. Das reichte mir am heutigen Tag schon, so daß es zurück nach Queens ging, wo ich traditionell beim McDonald’s neben meinem Hotel einkehrte und den ersten Quarter Pounder des Aufenthaltes genoß, nachdem ich mich zuvor noch mit Getränken versorgt hatte. Auf dem Zimmer hab ich dann noch ein wenig auf dem Bett gelegen, den Fernseher angehabt und bin dann irgendwann eingeschlummert.

    Dienstag, 12.01.2016

    Als ich am Dienstag aufwachte, hatte ich eigentlich noch gar keinen Plan für den Tag. Beim Frühstück kam ich irgendwie auf die Idee, mir die Treppe von “Sex and the City” anzuschauen (also 66 Perry Street). Warum? Keine Ahnung. War ich noch nicht und das Viertel ist ganz nett. Der Entschluß war schnell gefaßt und das Ziel fast ebenso schnell erreicht. Unterwegs nahm ich noch das Gay Liberation Monument und das Stonewall Inn mit. Das hatte ich zwar schon gesehen, aber auch hier nochmal waren Fotos angesagt.

    Fotos? Nochmal? Ganz einfach: Ich Idiot habe bislang entweder mit ner Kompaktkamera fotografiert oder mit meiner DSLR in JPEG. Jetzt werden sich die Fotografie-Interessierten die Hände vor die Stirn klatschen. Warum nicht RAW? Man weiß es nicht. Hab ich bis letztes Jahr immer irgendwie ignoriert. Jetzt habe ich nach meinem letzten Aufenthalt in New York und Washington vor exakt zwei Jahren die RAW-Vorzüge kennengelernt. Also mußte ich etliches, was ich bereits abgelichtet hatte, noch einmal aufsuchen und fotografieren. Deshalb hatte ich mir vorher eine Liste von den Dingen erstellt, die ich unbedingt wieder fotografieren wollte und konnte sie nach Erledigung abhaken. Und unterwegs nahm ich das mit, was sich rechts und links des Weges befand. So zum Beispiel auch das Jefferson Market Courthouse. Und zwischendrin wurden mit der Kompaktkamera noch etliche Fotos für mein New-York-Wiki gemacht.

    Nachdem ich mir die sagenumwobene Treppe angesehen hatte (Laaaangweilig! Was ist jetzt daran so interessant? Ist halt ne Treppe.), führte mich mein Fußweg zum Washington Square Park, anschließend zur Kreuzung Broadway / Houston Street, von wo aus ich dann mit der Subway in den Financial District fuhr. Ausgestiegen bin ich an der City Hall, hab das Municipal Building abgelichtet, den Beekman Tower und das Civic Center.

    Von da aus ging es dann nach Chinatown, wo ich etliche Straßen abwanderte, auf denen Asiaten umherwuselten. Jeder hatte irgendein Ziel oder einen Auftrag und es war faszinierend, die Geschehnisse zu beobachten. Irgendwann war ich wieder beim Hollister angekommen, dem ich kurz einen Besuch abstattete. Gekauft habe ich nichts, denn in Köln gibt’s ja auch einen Shop. Beim Verlassen des Shops entdeckte ich ein Ladenlokal von Under Armour etwas südlich. Da mußte ich rein. Aber auch hier fand ich nichts, was einen Kauf gerechtfertigt hätte. Die Preise waren ebenso hoch wie bei uns in Deutschland. Schnäppchen waren hier nicht zu machen.

    Ich lief über den Broadway bis zum Union Square, ging in den Whole Foods, weil da alle immer von schwärmen. Nach Bestandsaufnahme stellte ich fest, daß es sich um einen Supermarkt handelt. Kein Grund auszurasten. Ich stehe ja auch nicht im Rewe oder Real und schreie rum, weil es dort Obst und Gemüse zu kaufen oder eine Salattheke gibt. Fazit: Kann man reingehen und was kaufen, aber was hier der Kracher sein soll, hat sich mir nicht erschlossen.

    Mit der Subway ging es dann über Grand Central wieder nach Queens. Bei Pete’s Grill gab’s noch einen Burger und der Tag war zu Ende.

    Mittwoch, 13.01.2016

    Die gleiche Planung, die ich einen Tag zuvor hatte, hatte ich auch am Mittwoch: gar keine. Also nahm ich meinen Reiseführer von Lonely Planet mit zum Frühstück, um ein wenig darin rumzublättern. Ich hatte mir im Vorfeld bereits über Smart Destinations Tickets für das American Museum of Natural History, das Empire State Building, Top of the Rock und Liberty Island gekauft. Im American Museum of Natural History war ich bislang noch nicht und der heutige Tag sollte laut Wetterbericht eher bedeckt sein. Bedeckt ist zwar prinzipiell hervorragend für gute Fotos, aber eben auch für einen Museumsbesuch. Und damit sich am Ende der Reise nicht alles knubbelt, mußte heute irgendwie was von den Tickets weg. Irgendwann muß man ja mal anfangen. Und dabei stand das American Museum of Natural History eigentlich ganz oben, weil ich’s noch nicht gesehen hatte. Also schmökerte ich, während ich einen Bagel mit Frischkäse aß, in den Texten des Reiseführers zur Upper West Side. Mir fiel der Name “Zabar’s” ins Auge. Sollte man sich vielleicht mal anschauen. Also war der Startpunkt der heutigen Tour klar.

    Nachdem ich mir den Supermarkt angesehen hatte (natürlich auch innen) und mich vom besonderen Charme überzeugt hatte, wanderte ich Richtung Central Park, also Richtung American Museum of Natural History. Nachdem ich mein Ticket und einen Floorplan hatte, ging es los. Wer schon mal in diesem Museum war, wird nachvollziehen können, daß die Orientierung trotz des Floorplans nicht ganz so einfach fällt. Im ersten Raum stand ich vor ausgestopften Tieren, die ich erst einmal auf mich wirken ließ. Ich war begeistert von den ganzen Vitrinen, wobei der Begriff den teilweise schaufenstergroßen Scheiben nicht ansatzweise gerecht wird. In jedem dieser Schaufenster sind ausgestopfte Tiere zu sehen, die in ihren gewohnten Lebensraum dargestellt werden. Ich hätte vor jeder Scheibe minutenlang stehenbleiben können, hatte aber im Hinterkopf, daß man für einen Besuch in diesem Museum mindestens einen halben Tag einplanen sollte, so daß ich das aus Zeitgründen unterließ. Schwer beeindruckt ging ich von Fenster zu Fenster. Meine Kompaktkamera glühte förmlich. Aufgrund der Dunkelheit war es mir nicht möglich, mit meiner DSLR zu fotografieren, denn dann hätte man ein besonders lichtstarkes Objektiv benötigt oder ein Stativ. Also mußte hier der Automatikmodus meiner Kompakten herhalten.

    Nachdem ich so halbwegs alles gesehen hatte, was mich interessierte, begab ich mich in die Eingangshalle und ließ mich dort kurz nieder, um zu überlegen, ob ich das Museum verlassen oder noch einmal einzelne Bereiche anschauen sollte. Ich entschied mich für’s Verlassen und ging in den Central Park. Dort wollte ich eigentlich ein Foto von Belvedere Castle mit dem Turtle Pond machen, was aber aufgrund der zu tief stehenden Sonne nicht möglich war. Falsches Timing! Als ich auf dem Weg dahin am Delacorte Theater vorbeiging, sprach mich jemand an, der irgendwas verkaufen wollte oder was auch immer. Ich hielt nicht an, sondern sagte nur “I’m a german tourist and not interested.” Daraufhin schrie er mir hinterher, daß es niemanden interessiere, woher ich komme (“…where the fuck you come from.”). Ich hatte irgendwie im Gefühl, daß dieser Mensch nichts Gutes im Schilde führte, drehte mich um und erkannte, daß er nun hinter mir ging. Ich blickte mich um und sah, daß ich eigentlich ganz alleine auf diesem Weg unterwegs war. Links von mir lag Great Lawn und auf den erkennbaren Wegen war niemand zu sehen. Ich überlegte mir schon, wie und wohin ich schlagen würde, als vor mir ein Mann auftauchte, der mir entgegenkam. Ich stellte meine Überlegungen bezüglich des ersten Schlages ein, drehte mich um und mein “Verfolger” war verschwunden.

    Mein nächster Programmpunkt sollte Wollman Rink sein. Also eigentlich der Felsen nordöstlich davon. Hier war wieder ein Fotostopp angesagt. Die nächsten Punkte auf meiner Liste: Gapstow Bridge, The Pond, Grand Army Plaza, Apple Store und dann 5th Avenue. Bei der Atlas-Statue ging’s (nach einigen Fotos) ins Rockefeller Center. Kurzer Blick auf die Uhr: Kurz vor der blauen Stunde. Und wo ich gerade hier war, konnte gleich das nächste Ticket eingelöst werden: Top of the Rock. Oben war es kalt ohne Handschuhe, aber wer schöne Fotos haben will, muß leiden.

    Nachdem ich wieder unten war, ging ich zum Times Square, wo auch noch einige Fotos in der Dunkelheit entstanden, bevor es über die 42nd Street Richtung Osten ging. Grand Central war angesagt, denn es war Halbfinaltag beim dort stattfindenden Squashturnier, das ich mir im Januar eigentlich immer angucke, wenn ich in der Stadt bin. Leider war es noch zu früh für die Männer, also mußte es ein Frauenhalbfinale sein. War auch ganz interessant, vor allem weil mit Amanda Sobhy die Lokalmatadorin mitspielte. Frenetischer Jubel war also bei jedem Punkt garantiert. Sie zog auch ins Finale am nächsten Tag ein. Da mittlerweile meine Beine und der Rücken ein wenig schmerzten, entschied ich mich gegen das Warten auf die Männer, sondern fuhr ins Hotel, wo ich den Abend auf dem Bett liegend ausklingen ließ.

    Donnerstag, 14.01.2016

    Als ich am Donnerstag aufwachte, schleppte ich mich zum Frühstück und legte mich danach noch ein wenig auf’s Bett, bevor ich um kurz nach 12.00 Uhr das Hotel verließ. Abends wollte ich das Finale des J.P. Morgan Tournament of Champions im Grand Central anschauen, so daß mir ein langer Tag bevorstand. Und der begann mit einer Fahrt in den Financial District. Dort ging ich direkt zum WTC Memorial, wo man bei meinem letzten Besuch noch ein Ticket brauchte. Jetzt kann man einfach so um die beiden Pools laufen. Ich erinnerte mich an meinen allerersten Besuch, wie beeindruckend und unfaßbar ich das alles fand, was ich hier sah. Mittlerweile war das mein vierter Besuch am Memorial, so daß mir alles schon bekannt war. Trotzdem war es immer noch unfaßbar. Ich entdeckte eine Rose in einem Namen stecken und mußte unweigerlich an all die persönlichen Schicksale denken, die hinter den Namen stecken.

    Als ich ein wenig umhergeschlendert war, war es an der Zeit, das 9/11-Museum aufzusuchen, das bei meinem letzten Trip noch nicht fertig war. Etwas Neues! Juchhu! Auch wenn der Anlaß für dieses Museum natürlich alles andere als freudig ist. Ich war jedenfalls mehr als gespannt, wie das Museum geworden ist und wie es mir “gefällt”. Nachdem ich mein Ticket gekauft hatte (Eine Warteschlange gab es erstaunlicherweise keine.), betrat ich das Museum, ließ die Einlaßkontrolle über mich ergehen und begab mich in den Ausstellungsbereich. Tja, was soll man großartig sagen?! Unfaßbar, die einzelnen verbogenen Stahlträger zu sehen. Unterhalb der beiden Pools darf man keine Fotos machen, denn unter einem Pool hängen die Bilder von allen bei den Anschlägen Vermißten bzw. Verstorbenen mit etlichen persönlichen Gegenständen in alphabetischer Reihenfolge. Unter dem anderen Pool gibt es eine Ausstellung der chronologischen Ereignisse mit dokumentarischen Fotos und Audioaufnahmen. Bedrückend und sehr ergreifend! Im Museum steht ebenfalls ein Feuerwehrwagen, der seinerzeit vor Ort war. Unfaßbar! Zudem gibt es einen Teil der Antenne des ehemaligen Nordturms und einen Aufzugmotor zu sehen. Nach ca. drei Stunden und etlichen zurückgelegten Metern verließ ich das Museum wieder und trat ans Tageslicht. Die Eindrücke mußten erstmal verdaut werden.

    Was würde da besser passen, als ein Besuch des genau gegenüberliegenden Century 21?! Also nichts wie rein! Ich wollte mal gucken, was man alles preisgünstig abstauben konnte. Letzten Endes entschied ich mich für diverse Kleidungsstücke und eine CD aus dem Sortiment von J&R Express. Mitsamt meiner Tüte watschelte ich zur Subway und wollte vor dem Endspiel noch schnell zum Converse-Shop (560 Broadway), um für meine Frau nach zwei Farben Ausschau zu halten. Beide Farben waren zumindest schon mal da, eine sogar runtergesetzt. Ich überlegte kurz und orderte gleiche beide Farben, die auch in der passenden Größe vorrätig waren. Anprobieren war ja nicht, also wechselten die Schuhe so den Besitzer. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, wie teuer die Schuhe in Deutschland sind, weil ich sie nicht trage, aber wir stellten nach meiner Rückkehr fest, daß sich der Kauf gelohnt hatte. Leider paßte ein Paar nicht, obwohl beides die gleiche Größe war. Aber es fand sich einen Käufer, so daß wir zumindest keinen finanziellen Schiffbruch erlitten. Nun hatte ich also zwei Paar Converse und meine Einkäufe aus dem Century 21 und begab mich per Subway zum Grand Central. Es waren noch etwa 45 Minuten, ehe das Frauenfinale anfangen sollte. Zeitlich war das also zu machen.

    Ich trudelte auch rechtzeitig zum Warmspielen im Grand Central Terminal ein. Dort spielte wieder die Lokalmatadorin Amanda Sobhy, so daß für reichlich Stimmung gesorgt war. Letzten Endes verlor sie aber völlig verdient gegen Nour El Sherbini aus Ägypten. War aber schon mal ein guter Appetizer für das Männerfinale zwischen dem Weltranglistenersten Mohamend El Shorbagy und Nick Matthew aus Großbritannien. Ich erfreute mich daran, daß neben mir der ehemalige Weltranglistenerste Ramy Ashour stand, der dieses Jahr verletzt aussetzen mußte. Die Stimmung war auf dem Siedepunkt, als das Spiel endlich begann. Und was die beiden Herren dann da auf den Court zauberten, war so mit das Beste, was die Sportart zu bieten hat. Unfucking believable! Ich hätte noch stundenlang zugucken können. Aber irgendwann ist auch das beste Spiel zu Ende und ich trat meinen Heimweg an.

    Freitag, 15.01.2016

    Mittlerweile drängte die Zeit ein wenig, denn die im Vorfeld gekauften Tickets mußten ja noch weg. Und da für Samstag Regen angesagt war, mußte es also heute rüber zu Liberty Island gehen. Der Plan stand eigentlich direkt nach dem Aufstehen fest. Im Castle Clinton holte ich mir mein Ticket ab und ging zum Sicherheitscheck ins weiße Zelt. Nachdem der überstanden war, konnte ich direkt auf die Fähre, die noch relativ leer war. Natürlich stürmten alle anderen direkt auf’s obere Deck und sicherten sich dort die Sitzplätze. Da ich die Tour ja bereits vor fünf Jahren einmal gemacht hatte, stellte ich mich ein wenig cleverer an und sicherte mir direkt einen Platz an der Reling am Heck, um bei der Überfahrt die Skyline fotografieren zu können. Ich orientierte mich relativ weit nach rechts, damit ich dann im Vorbeifahren auch noch ein paar Fotos von der Freiheitsstatue machen konnte. Wenn man auf Liberty Island ist, kann man ja eigentlich keine schönen Fotos mehr von Miss Liberty machen. Es dauerte einige Zeit, bis der Kahn ablegte und durch die Upper New York Bay ins Gebiet von New Jersey tuckerte, denn Liberty Island liegt geografisch eigentlich nicht mehr auf New Yorker Gebiet.

    Während der gesamten Überfahrt nervte mich eigentlich nur die russische Familie, die sich dummerweise neben mir postiert hatte. Die Frau herrschte ihren Mann die ganze Zeit an, irgendwelche Fotos zu machen und manövrierte ihn von links nach rechts. Dabei rempelte sie mich andauernd anm so daß ich mich irgendwann erbost umdrehte, weil ich gerade fotografierte. Ein wenig Rücksicht würde da nicht schaden! Der arme Mann guckte mich ganz unterwürfig an und machte eine entschuldigende Geste. “Du hast es auch nicht leicht!” waren meine Gedanken und ich versuchte, die schreckliche Frau auszublenden, was mir aber nicht vollends gelang. Zu schrill war ihre Stimme und zu grausam ihr Benehmen. Dabei war sie eigentlich vernünftig gekleidet und erweckte den Eindruck einer Dame. Mittlerweile schubste sie ihren ca. 15jährigen Sohn auch hin und her und ich sehnte das Ende der Fahrt herbei.

    Nachdem wir angelegt hatten, umrundete ich Liberty Island einmal, schoß einige Fotos und wunderte mich über das Verhalten einiger Touristen, die die schönsten Fotospots minutenlang für irgendwelche Selfies blockierten, anstatt den Platz für andere zu räumen. Ja, der Tourist an sich ist schon eine sehr spezielle Spezies. Eigentlich hat der Tourist mindestens einmal am Tag eine Ohrfeige verdient. Ich schlenderte zurück zum Anlegesteg und wartete auf die nächste Fähre. Ellis Island ließ ich wieder aus, denn ich hatte noch große Pläne, die ich zeitmäßig nicht einschätzen konnte.

    Nachdem wir am Battery Park angelegt hatten, ging ich zum Bowling Green, beobachtetebeim Charging Bull wieder einige Zeit diese sonderbare Spezies “Tourist” und verzichtete hier auf ein Foto. Alleine war da rein gar nichts zu machen. In Höhe der Trinity Church bog ich nach rechts ab und ging zur Federal Hall. Hier stellte ich die RAW-Versionen einiger bereits gefertigter JPEG-Fotos her. Oder anders ausgedrückt: Ich machte die Fotos, die ich eigentlich alle schon hatte, aber eben nicht in RAW. Aber da ich die Wall Street und die angrenzenden Straßen eh faszinierend finde, ging ich noch ein wenig durch die kleinen Sträßchen und schaute mir einige Häuser an. Dabei kam ich auch an der Straßenecke Beaver Street / Pearl Street vorbei. Hier steht das Gebäude, welches im Film “John Wick” das Hotel darstellte. Leider aufgrund Bauarbeiten eingerüstet, also kein wirkliches Foto wert.

    Ich ging durch die Wall Street zurück zum Broadway und hatte das 1WTC auf dem Plan. Als ich dort ankam, stellte ich erstaunlicherweise fest, daß vor mir nur eine sehr kleine Schlange stand. Nach kurzer Zeit hatte ich mein Ticket und war auf dem Weg zur Aussichtsetage “One World Observatory” im 541 m hohen neuen Wahrzeichen der Stadt. Alles ein wenig steril und technisch. Sicherheitscheck verlief erwartet ohne Probleme und schon stand ich im Aufzug. Die Fahrt nach oben war aufgrund der gezeigten Animationen im Aufzug sehr kurzweilig. Oben angekommen wurden wir in einen länglichen Raum geführt, wo wir uns einen kurzen Film anschauen sollten. Na ja, war ganz nett gemacht, aber wirklich interessant war er nicht. Als dann jedoch mit dem Ende des Films die Leinwand nach oben gefahren wurde… Knaller!!!

    Die Türen öffneten sich und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, ehe man sich frei bewegen konnte. Hier mußte man noch eine Rolltreppe überwinden, da noch eine Schräge und ich hatte das Gefühl, daß ich wahrscheinlich in Kürze wieder auf dem Weg nach unten sein würde. Aber auf einmal war auch die letzte Hürde genommen und man konnte sich tatsächlich vollkommen frei bewegen. Jetzt hat die Architektur des Gebäudes es von außen zwar gut mit den Fotografen dieser Welt gemeint, von innen aber leider überhaupt nicht. Aufgrund der schräg stehenden Fenster kann man eigentlich trotz Polfilter keine vernünftigen Fotos machen. Man muß das Objektiv schon auf die Scheibe auflegen, hat dann aber keinen Blick geradeaus über Manhattan. Aber das ließ sich ja jetzt nicht mehr ändern.

    Oben befindet sich (natürlich) ein Souvenir-Shop. Und als ich den Ausblick in alle Richtungen genossen hatte, schaute ich mir kurz vor dem Ausgang auch noch den Shop an. Gesalzene Preise – also wirklich gesalzen! Und schwupps, ging es in den Aufzug, wo es wieder eine schöne Animation gab, die die Fahrt wieder sehr unterhaltsam werden ließ. Beim Verlassen des 1WTC wird man das neue WTC Transportation Hub geführt. Sehr futuristische Architekter. Hat was! Ich ging an St. Paul’s Chapel vorbei und auf dem Broadway nach Norden, wo ich bei der nächsten Subway-Station wieder im Untergrund verschwand und die Fahrt zum Hotel antrat.

    Samstag, 16.01.2016

    Am letzten kompletten Tag wollte ich die neue Endhaltestelle des 7 train begutachten: 34th Street-Hudson Yards. Also blieb ich einfach mal bis zum Ende sitzen und stieg nicht schon am Grand Central bzw. am Times Square aus. Okay, vor zwei Jahren war Times Square noch die Endhaltestelle. Also hatte ich in gewisser Weise ja schon mal eine Endhaltestelle gesehen. 😉 Nun also ging es bis fast an den Hudson. Das hatte den Vorteil, daß ich mir das Jacobs K. Javits Center von außen anschauen konnte und auch mal die Megabus-Haltestelle. Es war strahlender Sonnenschein, so daß ich mich kurzerhand dazu entschied, das Ende des High Line Parks zu betreten – also den Teil, der als letztes der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Und so ging ich also einen großen Boden und ging und ging und ging. Zwischendurch schaute ich von oben immer auf die Querstraßen herab und versuchte, der High Line etwas Positives oder Interessantes abzugewinnen. Aber irgendwie ist der High Line Park nichts für mich. Der Grundgedanke, eine Industriebrache, denn nichts anderes sind die Schienen ja eigentlich, umzuwandeln in öffentlich nutzbaren Raum, ist lobenswert, aber ich fand den High Line Park bislang immer gähnend langweilig. Und als ich den Anfang an der Gansevoort Street erreicht hatte, also die kompletten 2,3 km gelaufen war, kam ich zu dem Schluß, daß ich wohl nie mehr einen Fuß in den High Line Park setzen würde. Für mich kann man das Ding mit einem Wort beschreiben: Laaaaaaangweilig! Eigentlich gehört hier noch “komplett” davor.

    Im Meatpacking District ließ ich das Treiben ein wenig auf mich wirken, schlenderte durch den Gansevoort Market, weil ich den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte. Ich hoffte, hier irgendwie etwas zu finden, was mich vielleicht überzeugen würde. Aber das dichte Gedränge ließ mich dann doch relativ schnell von diesem Vorhaben abrücken. Statt dessen ging es weiter zum Chelsea Market, wo aber auch viel zu viel los war. Ich bin einmal komplett durch und wieder zurück, habe mir allerdings nur ein Getränk gegönnt und war schon wieder auf der Straße.

    Die weitere Route trieb mich über diverse Avenues und Querstraßen bis zum Madison Square Garden, von wo aus ich anschließend in die Manhattan Mall ging. Es stand ein Besuch bei Aéropostale auf der Agenda. Hier gab es eigentlich immer etwas, was man preisgünstig schießen kann. Und so war es auch heute. Ich verließ den Laden um etliche Dollar ärmer. Von der Manhattan Mall ging es über den Broadway vorbei am Macy*s bis zum Times Square, wo ich mich noch einige Zeit aufhielt. Denn das sollte wohl das letzte Mal bei diesem Aufenthalt sein, wo ich hier sein konnte. Anschließend ging ich über die 42nd Street bis zum Bryant Park und zum Grand Central Terminal, wo ich noch eine kleine Runde drehtem bevor ich dann zur Subway ging und rüber nach Queens fuhr.

    Nach dem Abendessen packte ich schon mal grob den Koffer für die Abreise am nächsten Tag und schlummerte relativ schnell ein.

    Sonntag, 17.01.2016

    Der letzte Tag fing verschlafen an. Nachdem ich den Frühstücksraum aufgesucht hatte, der hoffnungslos überfüllt war, nahm ich mein Essen mit auf’s Zimmer und fragte auf dem Weg gleichzeitig an der Rezeption, wann ich spätestens ausgecheckt haben müßte. Die Antwort verblüffte mich nicht wirklich, denn sie war wie jedes Jahr: Um 12.00 Uhr mußte ich das Zimmer verlassen haben. Das brachte mir ein wenig Zeit, um in Ruhe auf dem Bett zu frühstücken und dabei noch zwei Folgen “Two and a half men” zu schauen. Im Anschluß packte ich meinen Koffer, hüpfte noch schnell unter die Dusche und schon war es ca. 11.30 Uhr. Den Zimmermädchen legte ich ein von mir ausrangiertes (aber auf dieser Reise nicht getragenes) T-Shirt von Abercrombie & Fitch auf’s Bett und drei Dollar dazu. Um es komplett in den Müll wandern zu lassen, war es dann doch zu schade.

    Die nächsten vier Stunden verbrachte ich in der Lobby des Hotels, surfte ein wenig im Internet und nahm eine erste Sichtung meiner über 1000 Fotos vor. Und ehe ich mich versah, war es schon 16.00 Uhr und ich machte mich auf den Weg zum Flughafen. Mittlerweile hatte leichter Schneeregen eingesetzt und es war ein wenig kälter geworden. Ich hatte ja immerhin eine Joggingjhose und lediglich meine Unterziehjacke an, war also deutlich dünner angezogen, als an den letzten Tagen. Aber für die drei Blocks bis zur Subway sollte es reichen und danach war ich ja nicht mehr wirklich an der frischen Luft, wenn man einmal von dem kurzen Weg auf dem Weg zum AirTrain absieht.

    Als ich nach dem Rückflug wieder in Deutschland gelandet war, nutzte ich die automatische Paßkontrolle. Wenn man die passiert hat, sitzt zwar immer noch jemand von der Bundespolizei, der stichprobenartig Kontrollen durchführt, aber da hier niemand anstand… Als sich die Schranke öffnete und ich wieder eingereist war, hörte ich den grimmig dreinblickenden Bundespolizisten sagen “Kommen Sie mal hierhin!” Aaah, wunderbar, ich bin wieder in Deutschland! Die Freundlichkeit ist verschwunden! Ich hatte erst kurz überlegt “Ich hab keinen. Brauch ich auch nicht. Mutti läßt doch jeden ohne Paß einreisen.” zu antworten, als er nach meinem Reisepaß verlangte, aber den Gedanken verwarf ich relativ schnell. War ja auch blöd, denn den Paß hab ich ja gerade erst benutzen müssen. Er weiß es und ich weiß es.

    Nach der Kontrolle ging es zur Deutschen Bahn. Anschließend war ich zwar 67 Euro ärmer, aber ich hatte eine Fahrkarte von Frankfurt nach Köln. Der nächste ICE sollte planmäßig in sieben Minuten fahren. Das war zu schaffen, aber verlangte Anstrengung auf den weiten Gängen des Frankfurter Flughafens. Ich legte also einen Zahn zu und erreichte eine Minute vor planmäßiger Abfahrt den Bahnsteig. Doch, oh Wunder! Nirgendwo war ein Zug zu sehen. Dafür hörte ich schon die Durchsagen und schnappte nur Wortfetzen auf (“…ca. 90 Minuten später…”, “…ca. 60 Minuten später…”, “…ca. 15 Minuten später…” und “…ca. 10 Minuten später…”). Jawoll!!! Auf die Deutsche Bahn ist doch Verlaß! Und ich Idiot hab mich beeilt und war jetzt am schwitzen. Na gut, ich hatte ja nur ne dünne Jacke an und es waren -4 Grad auf dem Bahnsteig. Was für eine Scheiße! Konnte man aber nicht ändern und nachdem der Zug dann nach ca. 20 Minuten einfuhr, folgte der nächste Schreck. Der ICE war völlig überfüllt. Es standen schon Leute im Gang. Beim Einsteigen war es dann auch vorbei mit der gewohnten Ordnung. Hier wurde sich wieder von allen Seiten in den Zug gedrängelt. Ekelhaft! Und nun ging’s im Zug munter weiter. Ich stellte meinen Koffer am Rand ab, checkte kurz das Umfeld und stellte fest, daß ein Sitzplatz auf dem Boden nicht zu bekommen war. Sehr schön! Also 65 Minuten Stehplatz. Und der kostete mich ca. einen Euro pro Minute. War aber auch nicht zu ändern.

    Daß ich wirklich nicht träumte und wahrhaftig in Deutschland angekommen war, machte mir dann ein Zugbegleiter der Deutschen Bahn deutlich, der mehrfach durch den Gang ging und irgendwann in patzigem Ton sagte “Sie stehen hier mitten im Weg. Da könnte man auch mal ein bißchen intelligenter nachdenken.” Ich rief ihm nur “Sehr freundlich!” hinterher, woraufhin er aber nicht mehr reagierte. Ich überlegte kurz, mußte aber feststellen, daß ich ja Geld für die Beförderung bezahlt hatte und damit Kunde der Deutschen Bahn war, deren Angestellter u. a. mich dumm angemacht hat. War hier irgendwas falsch?

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