Kanada (23.09.2014)

Auch heute ging die Reise um 10.00 Uhr los. Zunächst bekamen wir den Wasserschlauch nicht vom Wohnmobil ab und ich mußte jemanden vom Campground um Hilfe bitten. Wie sich herausstellte, hatte ich vorher das Wasser voll auf- und nicht abgedreht und daher war der Druck im Schlauch zu groß. Da hätte man auch selber drauf kommen können!

Von Blue River ging es über den Highway 5 in südliche Richtung. Wir fuhren relativ unspektakulär bis Clearwater. Dort tankten wir für 145 Dollar auf (Literpreis: 131.9 Cent) und gingen ins Informationszentrum des Wells Gray Provincial Park, das genau gegenüber der Shell-Tankstelle lag. Im Reiseführer „Westkanada und Alaska mit dem Wohnmobil“ von Bernd Hiltmann (übrigens sehr zu empfehlen!) hatte ich gelesen, daß es in diesem nördlich von Clearwater liegenden Park sehr schöne Wasserfälle geben sollte. Wir entschieden uns kurzerhand, daß wir einen kleinen Abstecher machen wollten, denn von Clearwater führte lediglich eine einzige Straße in den Park und auch wieder hinaus, d. h. die Strecke, die man auf dem Hinweg fuhr, mußte man auf dem Rückweg auch wieder zurücklegen. Aber da wir gut in der Zeit lagen, nahmen wir das in Kauf.

Der erste Halt war nach ca. 10 km an den Spahats Falls, der zweite an den Dawson Falls nach ca. 32 km und 7 km später an den Helmcken Falls. Alle drei Wasserfälle waren sehr beeindruckend, wobei uns bei den Spahats Falls die wahnsinnig tiefe Schlucht faszinierte. Bei den Dawson Falls fand ich persönlich die Breite des Wasserfalls schön und das Gesamtmotiv bei den Helmcken Falls war die Fahrt auch absolut wert. Wie bereits geschrieben, ging es die gesamten knapp 40 km jetzt wieder zurück, wobei wir auf den ersten Kilometern einen Schleicher vor uns hatten, der hinter sich eine Autokarawane herzog. Wir waren das zweite Fahrzeug und konnten im Rückspiegel sehen, wie die Schlange immer mehr anwuchs. Irgendwann gab es dann endlich die Gelegenheit zu überholen und wir hatten freie Fahrt.

In Clearwater fuhren wir wieder auf den Highway 5 und passierten einige kleinere Ortschaften. Es hatte mittlerweile wieder angefangen zu regnen, was die Fahrt nicht unbedingt schöner machte. Links neben uns floß seit einiger Zeit der Thompson River und es hörte so langsam wieder auf zu regnen. Jetzt konnten wir teilweise einen schönen Ausblick auf den Fluß genießen. Irgendwann trat meine Frau völlig unvermittelt auf die Bremse, so daß ich dachte, sie hätte irgendetwas oder irgendwem ausweichen müssen. Weit gefehlt! Was war passiert? Sie hatte am Flußufer zwei Weißkopfseeadler entdeckt, die unbedingt abgelichtet werden mußten. Also wendeten wir, fuhren auf einen neben der Straße befindlichen Rastplatz und schauten den beiden Adlern zu, wie sie am Flußufer auf der anderen Seite saßen. Wahrscheinlich kamen sie sich beobachtet vor, denn nur kurze Zeit später verließ der erste Adler den Ort des Geschehens und der zweite Vogel zog sich auch in einen Baum zurück, so daß es nichts mehr zu fotografieren gab und wir weiter auf dem Yellowhead Highway, also dem Highway 5, fahren konnten.

Kurze Zeit später stand in entgegengesetzter Fahrtrichtung ein Wohnmobil am Straßenrand und meine Frau konnte sehen, wie dort ein Mann stand, der ebenfalls einen Adler fotografierte. Wir hielten trotzdem nicht an. Dafür hielten wir wenige Kilometer später auf einem kleinen Rastplatz an, weil dort zwei Wohnmobile standen und die Leute ebenfalls Fotoapparate in den Händen hielten. Als wir geparkt hatten und ausgestiegen waren, waren die Adler aber schon zu weit weg, um noch passable Fotos machen zu können. Dafür kamen wir mit einem anderen deutschen Pärchen ins Gespräch, die aus der Richtung kamen, in die wir wollten und umgekehrt, so daß wir noch ein paar Hinweise austauschen konnten. Dummerweise erfuhr ich, daß man in Whistler keine Chance hätte, das Olympiazentrum zu sehen, weil alles abgesperrt sei. Hervorragend!

Als wir wieder im Wohnmobil saßen, entschieden wir uns, bis Barrière zu fahren, also noch 32 km. Dort wollten wir Ausschau nach einem geeigneten Campground halten. Als wir die Finanzen am Morgen überschlagen hatten, kamen wir auf Barmittel von $300. Bei noch ausstehenden acht Übernachtungen durfte also jede Übernachtung ca. $35 kosten. Wir sahen auf der linken Seite ein Hinweisschild zu „Deejay’s RV“, das sowohl Strom, als auch Wasser und WLAN bot. Als wir an der Einfahrt standen, sahen wir den Preis: $30 plus Tax. Paßte!

Im Office stand eine ältere Dame, die uns unseren Stellplatz zeigte und sehr freundlich war. Auf die Frage, ob hier auf dem Campingplatz wilde Tiere seien, teilte sie uns mit, daß jenseits des Flusses, der eine halbe Meile entfernt war, Bären lebten, die gerade Junge hatten und ebenfalls in der Nähe eine Elchfamilie wohnen sollte. „Be careful!“ waren ihre Worte, als sie ihre Ansprache beendete. Dann erzählte sie noch, daß es 2003 rund um den Campingplatz Waldbrände gegeben habe, so daß die Tiere dort nicht mehr leben konnten. In deren Verlauf hätten sich seinerzeit fünf Bären auf dem Campingplatz eingenistet, die allerdings die Bewohner in Frieden gelassen und nur den Müll geplündert hätten. Und dann noch einmal „Be careful!“

Als wir den Strom und das Wasser angeschlossen hatten, gingen wir zum Flußufer, sahen aber keine Bären. Anschließend kämpften wir mit der Bedienungsanleitung, die Fraserway ins Wohnmobil gelegt hatte, denn wir wollten Pizza machen und bekamen den Ofen nicht ans Laufen. Irgendwann klappte es und wir verdrückten unsere Pizzen. Der Hunger war gestillt, der ruhige Teil des Abends konnte beginnen. Mein Reisebericht entstand und meine Frau sortierte ihre Fotos.

zum 24.09.2014

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