Kanada (18.09.2014)

Donnerstag, 18.09.2014

Als wir gegen 08.30 Uhr aufwachten, war ich trotz der relativ langen Nachtruhe doch noch ein bißchen müde. Beim Frühstück fiel die Entscheidung, wie der Tagesplan bzw. das Ziel aussehen sollte. Es stand zur Auswahl, entweder nach Calgary, also nach Osten aus den Rocky Mountains raus, oder nach Norden in Richtung Jasper zu fahren. Wir entschieden uns für Calgary.

Wir brachen zeitig auf und fuhren den Highway 1 in östliche Richtung. Als wir die Canadian Rockies verließen, wurde das Land mit einem Mal eben und flach und man hätte durchaus auch in Deutschland sein können, wenn man mal die Autos und Beschilderung außer acht ließe. Als wir Calgary erreichten, fuhren wir am westlichen Stadtrand zunächst vom Highway runter, weil wir zum Ort der Olympischen Winterspiele 1988 wollten. Wir fuhren entlang einiger Gebäude auf einer zweispurigen Straße, die sich den Berg hinaufschlängelte. Dabei passierten wir zunächst die Olympic Hall of Fame. Die Skisprungschanzen kamen mit jedem Meter näher und als wir oben auf dem Berg angekommen waren, standen wir unmittelbar am Start der Bobbahn und hinter den Skisprungschanzen, also südlich davon. Hier war eine nette Einfamilienreihenhaussiedlung gebaut worden. Wie geil, wenn man jeden Tag aus der Haustür kommt und direkt vor der Skisprungschanze steht! Nachdem wir uns ein Stück von der Schanze entfernt hatten, drehten wir und hielten rechts neben den Schanzen an. Wir gingen einen unbefestigten Weg hinunter und blickten von dessen Ende auf den Highway 1 und hatten die Skisprungschanzen direkt links neben uns. Hier entstanden natürlich auch einige Fotos.

Als wir wieder im Auto saßen, hielten wir am Start der Bobbahn an, wo man allerdings nur ein kleines Häuschen sehen konnte, und im weiteren Verlauf in Höhe der Kurve 8 der Bobbahn. Hier mußte ich noch einmal aussteigen und bis an den Rand der Bahn gehen, um zu fotografieren.

Wir fuhren anschließend wieder den Berg hinunter und gelangten zur Einfahrt, wo ich einen großen Parkplatz sah. Übrigens sahen wir vor dem Gebäude mit der Olympic Hall of Fame, als wir dort vorbeifuhren, das gleiche Pärchen, das vor vier Tagen neben uns auf dem Lamplighter Campground in Revelstoke stand. Und da sag nochmal einer, die Welt sei nicht klein!

Wir fuhren auf den großen Parkplatz, weil ich bei der Vorbeifahrt den Zielbereich der Bobbahn entdeckt hatte und ich mir erhoffte, das Wohnmobil kurz abstellen und dorthin gehen zu können, um Fotos zu machen – zumindest vom Bürgersteig aus. Gesagt, getan.

Als ich wieder zum Wohnmobil zurückkehrte, das etwa 100 m entfernt stand, stieg meine Frau aus und wollte mich zum anderen Ende des Parkplatzes begleiten, wohin ich auch noch wollte. Ich hatte dort eine Treppe und ganz viele Fahnen gesehen. Und daß wir dorthin gingen, war goldrichtig, denn jetzt folgte der Kracher – also für mich. Wir gingen die Treppen hoch und standen direkt vor dem olympischen Feuer bzw. der Stelle, wo es damals brannte. Die Fahnen waren die Fahnen aller Teilnehmerländer. Als ich genug Fotos im Kasten hatte, gingen wir die Treppen zum Parkplatz wieder hinunter und ich entdeckte einen Bob in den Farben Kanadas und auf den zweiten Blick einen schwarzen Bob mit der Aufschrift „Jamaica“. Ich freute mich wie ein kleiner Junge und sagte noch, daß das mit dem jamaikanischen Bob 1988 hier in Calgary war und daß der Film „Cool Runnings“ darüber handelte. Und meine Frau? Die meinte nur „Weiß ich. Hab ich ja eben schon gelesen.“ Da bin ich doch auf dem Hinweg glatt dran vorbeigegangen! Und als ich dann vor dem schwarzen Bob stand, konnte ich der Hinweistafel entnehmen, daß genau hier auch für den Film gedreht wurde und daß es sich bei dem Bob vor mir um exakt den Bob aus dem Film handelte. Wie geil war das denn!!! Kaum hatte ich den Text auf der Tafel gelesen, saß ich schon im Bob und meine Frau mußte Fotos machen. „Jamaika hat ne Bobmannschaft!“

Und auf ging’s ein paar Meter weiter zum Bob „Canada 1“, einem Zweisitzer. Schwupp, saß ich in der Kiste und die nächsten Fotos wurden gemacht. Ein anderes deutsches Pärchen war mittlerweile beim Jamaikabob angekommen und fotografierte ebenfalls. Als ich mit „Canada 1“ im Ziel war, baten die beiden uns, daß wir doch ein Foto von ihnen im Bob machten. Klar, kein Thema! Dafür durften wir beide dann anschließend auch mit dem kanadischen Bob „fahren“ und wurden fotografisch festgehalten. Danach stand ich noch kurz auf dem Siegerpodest, das ebenfalls dort aufgestellt ist und nun gab es eigentlich nichts mehr zu sehen. Also ich hätte noch was hier bleiben können. Cool Runnings!!!

Wir verließen den Ort der Olympischen Spiele 1988 und ich wußte, daß wir ja auch im Verlauf unserer Route noch nach Whistler kamen. Das machte es etwas leichter für mich. Ab ging es wieder auf den Highway 1 in Richtung Downtown. Rechts und links reihten sich bereits etliche Geschäfte und Tankstellen aneinander. Meine holde Gattin hatte vorgesorgt und zu Hause den Stadtplan von Calgary auf ihr Smartphone geladen, so daß wir den Weg in die Innenstadt fanden, wenngleich er auch ab und an mal ausgeschildert war. Nach einigen verbalen Streitereien zwischen uns, wo wir denn nun parken sollten („Fahr hier rechts!“, „Zu spät“ usw.), fuhren wir auf einen der zahlreich vorhandenen Parkplätze. Beim ersten Einparken stand das Wohnmobil noch zu weit in der Fahrspur, so daß wir uns einen anderen Stellplatz suchten. Und als meine Frau mich gerade einweisen wollte (also mit dem Wohnmobil beim Rückwärtseinparken), kam ein freundlicher Mitbürger auf sie zu und sprach kurz mit ihr, woraufhin sie wieder ins Wohnmobil stieg und mir mitteilte, daß der Mann gesagt hatte, wir sollten dort besser nicht parken, weil wir sonst abgeschleppt würden und wir uns einfach an den Straßenrand stellen sollten. Okay. Dann sollte es so sein. Wir parkten gegenüber des Parkplatzes und entnahmen der Beschilderung, daß man max. zwei Stunden dort gegen Gebühr parken durfte. Meine Frau ging zum Parkscheinautomaten, weil sie die Herrschaft über unser Kleingeld hatte. Als sie zurückkam, war sie ein wenig konsterniert, weil sie anscheinend irgendetwas falsch gemacht hatte, denn wir durften laut Parkschein nur eine Stunde parken. Das war ganz schön knapp, so daß wir entschieden, ein zweites Ticket zu ziehen und das erste ganz einfach nicht zu benutzen. Scheiß auf die $3!

Wir gingen zunächst zum Olympic Plaza, wo seinerzeit die Medaillenvergabe stattfand, und anschließend über die angrenzende Fußgängerzone namens Stephens Avenue in Richtung Westen, weil wir zum Calgary Tower wollten. Wir waren uns nicht ganz sicher, ob wir auf die Aussichtplattform wollten oder nicht. Ein Ticket kostete $18 und als ich kurz laut nachdachte, verwies meine Frau mit der Frage „Wie teuer sind die ganzen Aussichtsplattformen in New York nochmal?“ darauf, daß das ein angemessener Preis sei. Wir gingen also hinein und zum Ticketschalter. Es war 14.30 Uhr und die Aussichtsplattform war ab 15.30 Uhr aufgrund einer privaten Veranstaltung gesperrt. Nachdem wir bezahlt hatten, rechneten wir insgeheim mit einer nun folgenden Sicherheitskontrolle hinter der nächsten Ecke. Und als wir um die Ecke gingen, standen wir vor’m Fahrstuhl, der nach einigen Minuten seine Türen öffnete und uns in 62 Sekunden nach oben beförderte. Die Zeit habe ich nicht gestoppt, sondern das stand so im Aufzug. Dort lasen wir auch, daß der gesamte Turm in nur 24 Tagen gebaut wurde. Sicherheitskontrolle? Fehlanzeige!

Als wir oben den Aufzug verließen, hatten wir sofort einen herrlichen Ausblick auf Downtown Calgary. Wir gingen in Richtung der Fenster und entdeckten dabei, daß eine ca. sieben Meter breite Front ein Stück weiter nach vorne ragte. Beim Blick nach unten sahen wir, warum. Der Boden war dort aus Glas und man konnte sich, wenn man sich denn traute, dorthin stellen und dann nach unten bis auf die Straße gucken. Natürlich haben wir uns beide getraut – wenn auch nicht sofort. Aber das Ergebnis zählt. War schon ein mulmiges Gefühl. Die Lösung war, einfach nicht nach unten zu gucken bzw. das erst zu tun, wenn man auf der Glasfläche stand. Nachdem wir im Anschluß die Aussichtsplattform einmal umrundeten und dabei den Saddle Dome sahen, wo ebenfalls olympische Wettkämpfe stattfanden, und sogar bis zu den Skisprungschanzen schauen konnten, fuhren wir wieder nach unten und gingen zurück zur Fußgängerzone.

Dort gingen wir noch in ein Sportgeschäft, wo wir aber nichts fanden, was uns gefallen hätte, und in zwei Souvenirläden. Ein Kühlschrankmagnet mußte ja auch noch mit. Mittlerweile wurde die Parkzeit knapp, denn wir hatten nur noch 15 Minuten. Also gingen wir zurück zum Auto, das wir übrigens auch vom Calgary Tower aus sehen konnten.

Bei der Rückfahrt aus Downtown zum Highway 1 lebten unsere Streitereien kurz noch einmal auf und uns wurde klar, daß wir niemals ein zweites Pärchen wie Walter Röhrl und Christian Geistdörfer werden würden. Meine Frau legte irgendwann entnervt ihr Smartphone weg. Es war aber auch schwierig, auf alles zu achten. Denn komischerweise existieren in Calgary nicht an jeder großen Kreuzung Ampeln. Manchmal führen die Straßen als Einbahnstraßen nur in eine Richtung, dann stehen dort auf einmal Stop-Schilder mit dem Zusatz „4-way“. Und andere Autos gab es ja auch noch. Irgendwann hatten wir dann gemeinschaftlich doch die richtige Route gefunden und fuhren Richtung Highway 1. Auf dem Hinweg hatten wir uns schon darüber gewundert, daß der Sprit hier sage und schreibe 20 Cent je Liter billiger als in British Columbia war und da die Tanknadel die Hälfte bereits passiert hatte, hielten wir an einer Tankstelle an, um vollzutanken. $102.30 für über 80 Liter Sprit gingen dabei drauf.

Dummerweise hatten wir noch nichts gegessen, aber der Hunger kam so langsam. Wir standen im dichtesten Berufsverkehr auf dem Highway und bewegten uns nur im Schneckentempo voran. Bis wohin wollten wir denn heute noch fahren? Den ersten McDonald’s ließen wir rechts liegen, weil das zwar lecker, aber eben auch teuer war. Als wir ein paar Kilometer gefahren waren, wurde uns klar, daß jetzt wohl nichts mehr kommen würde, als auf einmal doch wieder ein McDonald’s auftauchte – was auch sonst?! Also fuhren wir vom Highway runter, auf dem es immer noch sehr mühsam vorwärts ging. Der McDonald’s lag zufälligerweise genau gegenüber der Skisprungschanzen. Schön! So konnte ich noch ein paar Fotos machen. Leider konnte man den Bob beim besten Willen von hier aus nicht erkennen.

Wir bestellten, wie man beim amerikanischen Schnellrestaurant bestellt: „One Big Mac meal, also Double Big Mac meal, one Quarter Pounder BLT meal and 10 Chicken McNuggets“. Die Rechnung von $32 bezahlten wir mit der Kreditkarte, wunderten uns über den hohen Preis und daß die Dame, die uns bediente und nach Intelligenzdefizit aussah, uns drei Becher hinstellte. Na ja, konnte ja mal passieren, wenn man zwei auf einmal packt. Ich füllte die Becher mit Getränken und als meine Frau mit dem Tablett zum Tisch kam, meinte sie noch, unsere Eingangsfrage, was denn ein „Double Big Mac“ sei, beantworten zu können: „Guck mal, man bekommt zwei Big Mac!“ Als wir anfingen zu essen, guckten wir uns die Packungen so an und alle drei waren unterschiedlich groß. Also keine zwei Big Mac, sondern ein Big Mac, ein Double Big Mac und ein Quarter Pounder. Da hatte diese dämliche Bedienung also tatsächlich unsere Eingangsvermutung bestätigt und sich so angestellt, wie sie aussah. Anstatt uns zu fragen, ob wir zu zweit denn auch wirklich drei Menüs haben wollten, tippte sie einfach munter ein, was wir sagten. Daß wir beim zweiten Menü eigentlich nur das zuerst genannte korrigieren wollten, hatte sie überhört. Wir unterstellten ihr keine Absicht, sondern gingen davon aus, daß sie es eben nicht besser konnte. Sollten wir reklamieren? Drauf geschissen! Wir aßen alles auf und wollten dafür auf das Abendessen auf dem Campingplatz verzichten – was wir dann später auch wirklich taten.

Wieder auf dem Highway stand immer noch die Entscheidung aus, bis wohin wir fahren sollten und wollten. Auf der Hinfahrt hatten wir den ein oder anderen Campingground ausgeschildert gesehen, aber das waren ja in der Regel staatliche, also ohne Strom und Wasser. Aber Strom wollten wir schon haben. Wir fuhren nach einigen Kilometern ab, als wir das Hinweisschild zum „Three Sisters Campground“ sahen. Wir fuhren an einer Esso-Tankstelle vorbei, die direkt an der Abfahrt lag und mit einem kleinen Restaurant verbunden war. Herrlich! Da waren sie wieder, die 60er Jahre! Wir folgten dem Hinweisschild und kamen irgendwann wieder am Highway an. Da stimmte doch was nicht! Wir gaben die Suche auf und als wir wieder zur Ausfahrt rollten, entdeckten wir ein zweites Hinweisschild zum Campingplatz. Wir fuhren den Weg entlang und es handelte sich tatsächlich um einen Platz ohne Strom und Wasser, dafür aber mit etlichen Hinweisen auf die gefährlichen Tiere. Nach einer Runde begaben wir uns wieder auf die Autobahn, um bei nächster Gelegenheit wieder abzufahren. Die Gelegenheit hieß „Bow River Campground“. Gleiches Spiel: Staatlicher Platz ohne Strom, ohne Wasser, mit Hinweisen vor wilden Tieren und recht schön direkt am Bow River gelegen. Aber ohne Strom? Keine Chance!

Die nächste Ortschaft hieß Canmore, 20 km vor Banff. Hier fuhren wir ebenfalls vom Highway runter, weil das Visitor Centre in 2 km Entfernung ausgeschildert war. Und dort konnte man uns ja bestimmt einen Hinweis auf einen Campground mit Strom und Wasser geben. Tja, was soll ich sagen?! Visitor Centre geschlossen und ab auf den Highway. Die 20 km bis Banff waren jetzt auch kein Thema mehr. Wir verließen den Highway an der ersten Ausfahrt und der Weg führte uns ein Stück weit durch den Wald. Irgendwann stand am rechten Fahrbahnrand ein Pkw mit Warnblinker. Wir fuhren gerade vorbei, als meine Frau aus dem Seitenfenster entdeckte, warum der Pkw da stand: Im Wald waren mehrere Wapiti zu sehen und einmal zuckte ein Geweih durch’s Bild. Ich setzte zurück bis zum anderen Auto und wir guckten rechts in den Wald. Es dauerte ein paar Minuten, bis die Tiere aus dem Wald kamen und uns auch beobachteten. Aber wir hatten Fotoapparate und konnten das alles festhalten! Irgendwann wurde es den Tieren aber dann wohl zu langweilig und sie gingen wieder in den Wald, um dann unmittelbar hinter uns die Straße zu überqueren. Und als wir so in die Seitenspiegel guckten, um einen Blick zu erhaschen, stand der Chef auf einmal am Wegesrand. Ein kurzer Blick und schon ging er gemächlichen Schrittes seinen Damen hinterher, überquerte ebenfalls die Straße, auf deren anderer Seite mittlerweile zwei weitere Autos angehalten hatten, und verschwand im Wald.

Wir fuhren die letzten Kilometer bis zum gleichen Campingplatz, auf dem wir die letzten beiden Nächte verbracht hatten und ließen den Tag ausklingen.

zum 19.09.2014

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