Kanada (15.09.2014)

Montag, 15.09.2014

Heute schliefen wir etwas länger und wurden erst um 08.00 Uhr wach. Nach Zubereitung des Frühstücks wurde die dreckige Wäsche gewaschen und während dieser Zeit die Tagesplanung angegangen. Das Kartenmaterial war auf dem Tisch ausgebreitet und die Highlights in den Reiseführern gelesen. Einstimmiger Beschluß: Heute sollte es nach Lake Louise im Banff Nationalpark gehen.

Die Wäsche war mittlerweile im Trockner und wir koppelten in der Zwischenzeit Strom und Wasser ab, verstauten alle Utensilien und holten dann die Wäsche aus dem Trockner. Erstaunlicherweise war die aber nicht getrocknet, sondern noch klamm, so daß wir doch das erste Mal eine Wäscheleine spannen mußten. Bis zum Checkout waren es noch knapp 40 Minuten, so daß wir davon ausgehen mußten, die Wäsche nicht trocken zu bekommen. So war es auch am Ende. Kurz vor 11.00 Uhr verließen wir den Lamplighter Campground und fuhren auf den Highway 1 Richtung Osten.

Am Morgen noch hatte ich etwas von einem kleinen Spazierweg gelesen, der sich ca. 30 km östlich von Revelstoke befand. Meine Frau hatte am Tag zuvor davon gesprochen, die Giant Cedars anschauen zu wollen, war aber fälschlicherweise davon ausgegangen, daß diese sich westlich von Revelstoke befänden, was aber nicht stimmte, denn auch diese Sehenswürdigkeit war in unmittelbarer Nähe. Ich wollte meiner Frau eine Freude machen und unvermittelt am Skunk Cabbage Boardwalk und kurze Zeit später an den Giant Cedars anhalten. Und so fuhren wir 29,7 km, ehe wir die Straße nach rechts verließen, um auf den Parkplatz des Skunk Cabbage Boardwalk zu fahren. Hier führte ein 1,2 km langer Rundweg auf Holzstegen durch die Botanik. Ich muß ehrlich gestehen, daß ich persönlich mir keines der Hinweisschilder so richtig durchgelesen hatte. Aber meiner Frau gefiel es anscheinend und ich machte auch das ein oder andere Bild.

Kurz bevor wir das Ende des Rundweges erreichten, stand ein Hinweisschild auf den in 2 km Entfernung liegenden Giant Cedar Boardwalk. Ich hatte die Gefahr für mich kommen sehen, als ich die ersten Zeilen las, sagte noch beiläufig so etwas wie „Na ja, dann geht’s weiter“ und ging Richtung Auto, aber meine Frau las den Hinweis und sagte „Da will ich aber auch hin!“ und meine Überraschung war im Eimer.

Wir fuhren die paar Kilometer, nachdem wir nun auch in Erfahrung gebracht hatten, daß man einen „Park Pass“ benötigte, um in den Nationalparks anzuhalten. Doch woher nehmen? Wir fuhren nach links vom Highway 1 auf den Parkplatz der Giant Cedars und sahen ein Schild, das uns bedeutete, daß wir diese Pässe an der Ausfahrt bekämen. Nachdem wir unser Motorhome abgestellt hatten, gingen wir zum Exit und fragten nach, wie teuer diese Pässe waren. Die freundliche Mitarbeiterin erklärte uns, daß der Tagespaß $7.80 pro Person kosten würde, wir aber bei einem Aufenthalt länger als sieben Tage doch lieber den Jahrespaß für $67.80 nehmen sollten, weil das billiger wäre, zumal die Tagespässe im Banff und Jasper Nationalpark jeweils zwei Dollar teurer wären. Wir konnten uns nicht entscheiden und gingen zunächst einmal den 500 m langen Rundkurs, der ebenfalls über Holzstege mit etlichen Treppenstufen mitten durch den Wald führte. Die Bäume sahen alle wirklich sehr groß aus und es entstanden einige Fotos (Das Attribut „toll“ kann hier leider noch nicht eingefügt werden, weil die Bilder noch nicht in Augenschein genommen wurden.). Als wir zum Ausgangspunkt zurückkehrten, entschieden wir uns für den Tagespaß, da wir nicht überblicken konnten, wie lange wir denn nun letzten Endes in den Nationalparks unterwegs sein würden. Und wenn es summa summarum nachher eben ein wenig teurer wäre, würde uns das auch nicht interessieren. Mein Garmin zeigte an, daß die Batterien schwach waren. Das waren die Akkus, die die ganze Nacht über aufgeladen wurden und die sollten jetzt schon leer sein? Komischerweise schien das mit dem Aufladen der Akkus irgendwie nicht so zu funktionieren. Gott sei Dank hatten wir in Kelowna im Walmart vier Batterien der preisgünstigsten Alternative von Great Value, der Hausmarke von Walmart, für den Notfall gekauft. Und der Notfall war eingetreten. Vor der Abfahrt wechselte ich die Batterien und erfreulicherweise setzte mein Garmin die Route fort, als ob nichts gewesen wäre.

Die nächsten vierzig Kilometer fuhren wir weiter über den Highway 1 gen Osten. Nach insgesamt 73,7 km erreichten wir den Rogers Pass auf 1327 Metern, wo wir für ein paar Fotos anhielten und auch die (stinkenden) stillen Örtchen aufsuchten. Hier zeigte sich einmal mehr die unbeschreibliche Schönheit Kanadas. Man hatte Ausblick auf schneebedeckte Berge und der Highway schien ins Nirgendwo zu führen. Meine Frau war sehr darauf bedacht, daß bei den Fotos keinerlei Autos die Asphaltpiste entlangdonnerten, aber für mich war gerade der Anblick eines nordamerikanischen Trucks vor dieser Kulisse traumhaft. Und es quälten sich einige dieser Trucks den Highway entlang. Nach einem kurzen Gespräch mit zwei Deutschen, die am heutigen Tage noch bis nach Banff wollten, stiegen wir wieder in unser Wohnmobil und begaben uns zurück auf die Straße.

Ein paar Kilometer später (um genau zu sein waren es 11,3 km) hielt ich am rechten Fahrbahnrand an, weil es dort nach einem Viewing Point aussah. Der Infotafel konnten wir entnehmen, daß wir vor den Round Mountains standen. Nach ein paar Fotos rollte unser Motorhome wieder. Jetzt passierte eine ganze Zeit gar nichts. Wir fuhren und fuhren, blickten rechts aus dem Fenster, schauten links aus dem Fenster und bewegten uns auf das Städtchen Golden zu, das wir nach 152,6 km erreichten. Die Tanknadel zeigte uns an, daß wir die Hälfte des Benzins verbraucht hatten, so daß wir eine Shell-Tankstelle ansteuerten und für 141.9 Cent pro Liter tankten. Im Anschluß besuchten wir den ortsansässigen McDonald’s, um kurz ins Internet zu gehen und etwas für den kleinen Hunger zwischendurch zu tun. Dabei beratschlagten wir, ob wir wirklich bis Lake Louise durchziehen sollten oder nicht. Wir hatten mittlerweile eine andere Zeitzone erreicht und so eine Stunde verloren und wir wollten nicht allzu spät auf dem Campground ankommen, um noch einen Stellplatz zu bekommen. Am Morgen hatten wir in einer Infobroschüre gelesen, wann die einzelnen Campingplätze in den Nationalparks schließen und festgestellt, daß einige bereits seit dem 01.09. geschlossen waren. Die Auswahl wurde also enger! Wir entschieden uns, daß wir bis nach Lake Louise fahren wollten, denn von Golden aus waren es nur mehr knapp 70 Kilometer. Meine Frau veranschlagte zwei Stunden für die Strecke, ich als Mann sah das natürlich ganz anders, mußte dann aber während der Fahrt eingestehen, daß die kurvige Strecke eben doch nicht so schnell zu durchfahren war. Übrigens sahen die Menschen in Golden allesamt komisch aus.

Mittlerweile wurde die Landschaft noch einmal einen Tick schöner. Rechts schlängelte sich ein Fluß entlang der Straße, von dem wir allerdings dann doch nicht allzu viel sahen, weil sich der Highway im wahrsten Sinne des Wortes in einiger Höhe durch die Berge fraß. Man konnte noch nicht einmal eine grobe Schätzung abgeben, wie hoch über dem Fluß wir fuhren. Ab diesem Zeitpunkt hätte man, glaube ich, immer weiter fahren und sich am Anblick erfreuen können. Mir kam dabei eine Liedzeile der Kölner Acapella-Gruppe „Wise Guys“ in den Sinn, die da lautet: „Ich mache ein Bild in meinem Kopf und geb’s nie mehr her“. Irgendwann war rechtsseitig wieder eine Möglichkeit, um kurz anzuhalten. Und wieder stand dort eine Infotafel. Demnach war wir an der „Old Bridge on Big Hill“. Die nicht mehr benutzte Brücke wurde seinerzeit wohl einmal für die Eisenbahn gebaut. Ein Reststück stand noch und überquerte den Fluß, der immer noch unter uns lag. Wir waren 217,5 km unterwegs und die Sonne stand mittlerweile so am Himmel, daß wir von ihr weg fuhren, d. h. unser Ausblick war glasklar und man konnte fast jede Kontur erkennen.

Die letzten zwanzig Kilometer bis Lake Louise, das wir nach exakt 237,1 km erreichten, waren schnell geschafft. Unterwegs passierten wir im Yoho National Park noch Field und den Kicking Horse Pass in 1643 Metern Höhe. Gerade die Gegend um Field, das bei uns in Deutschland wahrscheinlich gar keinen eigenen Namen hätte, weil es so klein war, sah sehr beschaulich inmitten der aufragenden Berge aus. Hier hätte man auch mal anhalten können, um sich umzusehen, aber leider drängte die Zeit. Kurz hinter Field standen wir noch knapp zehn Minuten an einer Baustelle und kamen dann um kurz nach 19.00 Uhr in Lake Louise an, wo wir relativ schnell den Campingplatz fanden. Vor uns hatte sich eine beachtliche Schlange von acht Wohnmobilen gebildet und die Abfertigung dauerte doch eine ganze Weile.

Wir hatten gelesen, daß der Campground über 186 Stellplätze verfügte und machten uns schon Gedanken, was wir denn täten, wenn alles ausgebucht wäre. War es aber nicht und wir kamen sogar ohne Reservierung auf den Platz. Wir bekamen zu dem ausgehändigten Infomaterial den Hinweis, daß wir aufpassen sollten, weil hier Bären unterwegs seien. Die Frage, was denn sei, wenn wir nachts auf die Toilette müßten, wurde mit einem lapidaren „Be loud!“ beantwortet. Na ja, wenn’s weiter nichts ist! Wir fuhren zu unserem Stellplatz, der wirklich am Arsch der Welt (oder in dem Fall des Campingplatzes) lag, schlossen den Strom an und stellten fest, daß es kein Wasser gab. War aber egal, denn das hatten wir am Morgen in Revelstoke noch aufgefüllt und Strom brauchten wir zum Aufladen der Akkus. Übrigens waren die beiden Batterien von Great Value immer noch voll, als ich das Garmin ausschaltete.

Das Infomaterial ließ uns wissen, daß hier eine Bärenmutter mit zwei Jungen lebte, die mittlerweile ein Jahr alt waren. Wie war das noch? Niemals zwischen Mutter und Junges kommen? Wir gingen jedenfalls noch eine Runde über den Campingplatz und entschieden uns, daß wir dann nachts doch lieber die Toilette im Wohnmobil nutzen wollten, denn der Weg von unserem Stellplatz zu den nächsten Toiletten war so weit, daß ein richtiger Amerikaner dafür das Auto nutzen würde. Und die Strecke nachts im Dunkeln alleine laufen? Be loud? Never!

zum 16.09.2014

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